Jetzt ist die Zeit und Stunde da… wir reisen nach…?

Wo komme ich her? Etappe 2 Ungarn – schwarzer Fleck

Im Rahmen von DANCE 2021
Mittwoch, 12. (Premiere) & Donnerstag, 13. Mai 2021 Jeweils um 20:00, 21:30, 23:00, Einlass 15 Minuten vorher
Altes Betonwerk Sendling

Worte zwischen Zähnen und Zunge zerreiben, aus Ziegeln rotes Pulver gewinnen, Erinnerungen nachgehen, den Körper einsetzen, konkrete Handlungen vollziehen und auf der Spurensuche neue Spuren hinterlassen…
Judith Hummel und Evi Keglmaier begeben sich im körperlichen Nachspüren von Fragmenten gelebten Lebens ins Alte Betonwerk Sendling. Als Ort der Herstellung industriellen Baustoffs bildet der Raum einen kontrastreichen Rahmen zum warmen Rot des Ziegelstaubs und den lebendigen Körpern der Performerinnen – eine gewisse Unbehaustheit und Verlorenheit wird erfahrbar. Der Ziegel ist hart, das Reiben ist konkret, das Gehen im Staub zeichnet Spuren. Der Staub legt sich auf die Haut und färbt sie rot. Sinnbildlich geht, dreht und windet sich der Körper in Erinnerungen. Die Klänge der Musikerin verweben sich mit den Handlungen der Performerin und aus dem intensiven Aufeinander-Bezogen-Sein der beiden Frauen entsteht prozesshaft ein eigenes, vielgestaltiges Geflecht, das dazu einlädt, im Zuhören und Zuschauen ganz bei sich zu bleiben.

Auf der Suche nach ihrer Herkunft folgt die Enkelin den Spuren der Großmutter. Diese flüchtete in den letzten Kriegsjahren aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Die Route führte auch durch Ungarn, die Erinnerung daran bleibt jedoch „ein schwarzer Fleck“. In einer Anekdote erzählt die Großmutter, dass sie als Kind Ziegel rieb, um rotes Paprikapulver für ihr Kaufladenspiel herzustellen. Ausgehend von diesen Motiven entsteht die Etappe 2 der performativen Recherche „Wo komme ich her?“.

Die Performance möchte auch dazu anregen, der eigenen Herkunft nachzuspüren. Vor Ort wird das Publikum eingeladen, einen kurzen schriftlichen Beitrag zu hinterlassen. Von der entstehenden Sammlung wünscht sich Judith Hummel Inspirationen für die dritte und letzte Etappe ihrer Spurensuche.

Team: Judith Hummel (Künstlerische Leitung, Performance), Evi Keglmaier (Performance, Stimme, Akkordeon, Viola), Heidi Schnirch (Choreografische Mitarbeit), Ruth Geiersberger (Szenische Mitarbeit), Ulrike Wörner von Faßmann (Dramaturgie), Charlotte Marr (Licht), Laura Kansy (Video, Fotografie), Katrin Schmid (Raum), Theresa Scheitzenhammer (Kostüm), Stephanie Roderer (Grafik), Veronika Heinrich/Rat & Tat Kulturbüro (Produktionsleitung), Beate Zeller (PR)

Das Projekt wird uraufgeführt im Rahmen von DANCE 2021, Internationales Festival für zeitgenössischen Tanz der LH München, es wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ – STEPPING OUT, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz, sowie von der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München. Das Projekt wird ermöglicht durch den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Judith Hummel ist Mitglied des Tanztendenz München e.V.

Altes Betonwerk Sendling – Sugar Mountain | Helfenriederstr. 12 | 81379 München | Eröffnung ab Mai 2021
Eintritt: 12,- / 8,- Euro erm. Reservierung unbedingt erforderlich!
Näheres unter www.dance-muenchen.de/de/tickets
PR: Beate Zeller | 089.123 91 64 7 | 0176.26 57 70 15 | kontakt@beatezeller.de

DANCE Festival München 2021

Dreiteiliges Projekt: Wo komme ich her? Gehen – von Rumänien nach Deutschland

Etappe 1 Săcălaz – Szeged

Im Gehen, im Zurückgehen, forscht Judith Hummel nach ihrer eigenen Herkunft und legt eine Spur um die Felder Erinnerung und Körper. Auf mehreren Etappen verfolgt sie, begleitet von ihrer Mutter Margret und der Kamerafrau Laura Kansy, die Route ihrer Großmutter, die 1944 von Rumänien nach Deutschland flüchtete. Im Juni 2019 gehen sie die erste Teilstrecke von Săcălaz, dem Heimatdorf der Großeltern, bis nach Szeged in Ungarn. Aus Material, das unterwegs aufgenommen wird, sollte eine Installation mit Video, Klang, Erinnerungsstücken und Live-Momenten entstehen. Coronabedingt hat die Arbeit eine Wendung erfahren: Es ist ein Film entstanden – eine Dokumentation der szenischen Momente, der Bilder und Klänge im Raum – und doch eine neue, eigene
Arbeit. Der Film wurde im Rahmen des Festivals RODEO 2020 am 28. Oktober im Mira Einkaufszentrum präsentiert. Auf YouTube ist die Filmversion zu sehen (ca. 40 Minuten): Wo komme ich her? Film, Rodeo Festival 2020, youtube

Etappe 3

Elemente aus den beiden vorhergehenden Teilen werden mit einfließen.

Etappe 2 Ungarn – Schwarzer Fleck

Fortsetzung der Recherche mit performativer Erinnerungsarbeit im Mai 2021 Barbara Hummel, die Großmutter der Performerin, erzählte, wie sie zu Hause in Rumänien Ziegelsteine aneinander gerieben hat, um Paprikapulver für den Kaufladen herzustellen. Diese Aktion kam in der Installation zu Etappe 1 als Live-Element vor, in Etappe 2 wird daraus eine neue Performance. Statt konkret durch Ungarn zu laufen, verkörpert Judith Hummel diese in der Fluchterinnerung der Großmutter als „schwarzer Fleck“ bezeichnete Phase auf andere Weise: Fixiert an einem Ort, aber bewegt im Umgang mit dem symbolisch aufgeladenen Material.

Etwas zu Staub (zer-)reiben. Die Handlung ist der dringliche Versuch, der Vergangenheit zu begegnen, über das körperlich anstrengende Reiben und Gehen. Nicht um darüber Klärung oder Auflösung zu behaupten, aber um Zufriedenheit über das direkte Spüren, Erfahren und Verbinden in der Aktion zu erlangen. Der Kontrast von Härte und Poesie, die darin liegt, interessiert mich. Das Hinterlassen von Spuren, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit sind künstlerische Themen, die mich beschäftigen. – Judith Hummel

Sinnbildlich geht, dreht und windet sich der Körper in Erinnerungen. Die Musikerin Evi Keglmaier schafft mit Instrumenten und Stimme eine eigene klangliche Ebene zur performativen, bildnerischen Aktion.